Systemisches

Hier können Sie nach Herzenslust stöbern und probieren, sicher ist auch für Sie etwas dabei. Viel Spaß damit!

Erlebnisse und Erfahrungen während der Corona-Schulschließung der Klasse 5a

Kinder schreiben über ihre Erfahrungen mit „Corona“. Ernst, lustig, traurig, klug, zum Nachdenken anregend. Alles Kinder aus einer fünften Schulklasse aus Kassel. Die Kinder, die diese Berichte verfasst haben sind zwischen 11-12 Jahre alt. Wir danken der Lehrerin für ihre schöne Idee und für die Möglichkeit der Veröffentlichung und wünschen viel Spaß beim Lesen.

Kinder-Berichte zum Thema Corona

Weitere Berichte von Kindern zum Thema Corona können Sie in einem Videointerview bei unseren systemischen Videos ansehen.

„Planken besorgen für das Gehen auf Wasser“ - Systemische Notiz zu Covid-19

Klug, kenntnisreich, reflektierend! Mirja Winter (Redaktion SYSTEME) stellt Fragen an Wolfgang Loth:

lesen Sie hier das Interview

Innehalten und nach innen lauschen - Annette Springmeier eröffnet Pfade, die Krise zu nutzen

Auch wenn es mittlerweile wieder einige Lockerungen gibt, so scheint doch noch immer in vielen Bereichen die Welt still zu stehen, entschleunigt zu sein. Sie ist nicht mehr voller Angebote und Anreize zu Aktivitäten und Betriebsamkeit. 
Mit ihrer Stille lädt sie uns auch ein, selber innezuhalten, still zu werden und uns nach innen zu wenden. In Supervisionen und Coachings wird aktuell deutlich, dass diese Zeit des gebotenen Rückzugs auch wie ein Brennglas erlebt wird:

Ein Brennglas ausgerichtet einerseits auf all die Schätze, die wir im Laufe unseres Lebens entwickelt und entfaltet haben, verbunden mit tiefer Dankbarkeit und Freude.

Und andererseits ein Brennglas ausgerichtet auf die offenen Themen, Konflikte, inneren Haltungen, Glaubenssätze, die wir ebenso im Laufe unseres Lebens angesammelt haben und das ein oder andere Mal ‚erfolgreich’ haben beiseiteschieben können.

Oft sind es Themen, die uns heute nicht mehr hilfreich sind, die wir als Zumutung, als Schmirgelpapier erleben, das uns wund reibt. Themen, verbunden mit Bewertungen, unausgesprochenen Erwartungserwartungen, die wir im Gespräch mit uns selbst bzw. mit anderen nicht auf ihre Stimmigkeit hin überprüfen.
Metaphorisch gesehen dient Schmirgelpapier ja auch dazu, all die harten Kanten des Lebens zu schmirgeln, fein zu polieren, zu wandeln hinzu einer freundlichen, mitfühlenden Beziehung mit sich selbst und mit anderen Menschen.
Das meint, bei aller erlebten Zumutung, die wir beim Schmirgeln erleben, könnte es vielleicht auch hilfreich sein auf das Gute im Schlechten zu gucken? Darauf, dass unsere innere Weisheitsinstanz, unsere Selbstorganisation uns vielleicht einlädt, uns weiter zu entwickeln, innerlich freier zu werden, um mit leichterem Gepäck, in Freundlichkeit mit uns und anderen auf unserem Lebensweg weiter voran zu schreiten?

Nur mal angenommen, um mit Gunter Schmidts Worten zu sprechen „wenn es der Fokus der Wahrnehmung ist, der unser Erleben bestimmt“, könnten die aktuellen Herausforderungen dann nicht auch als Weckruf zur Weiterentwicklung betrachtet werden, der eine gute Möglichkeit zur Selbsterforschung bietet? 

Was ist der Sinn, der Purpose in meinem Leben,  
was ist für mich gutes Leben,
was ist schon alles gut, wofür bin ich dankbar,
was ist jetzt nicht mehr hilfreich, erlebe ich als Zumutung,
wovon möchte ich mich verabschieden, was unterlassen,
was will ich lernen, vertiefen, erfahren,
was habe ich in diesen Zeiten schon neu entwickeln können,
wie meine Kreativität, meine Qualitäten leben, verwirklichen,
was soll mein Beitrag für das Ganze sein …

Man könnt diese Selbsterforschung für sich alleine oder auch zusammen virenfrei virtuell … mit (einem) vertrauten Menschen machen …  
Man kann sich dabei auch von ihrer/seiner Kreativität inspirieren lassen und malen, schreiben, singen, performen … In einer solchen Situation, wo ich mich vor kurzem arg geschmirgelt gefühlt habe, ist z.B. das Bild oben entstanden. Es erinnert mich nun, statt sorgenvoller Gedanken, auf eine ganz andere Weise und in großer Dankbarkeit an ein Herzensthema, für das ich mir von mir selbst einen stetigeren, freudevoll-zuversichtlichen Umgang wünsche. (Inspiriert ist das Bild übrigens von einem Kartenset von Esther und Jerry Hicks)

In diesem Sinne bleiben wir weiterhin gesund und frohen Mutes! Wünschen wir uns spannende und nachhaltig-inspirierende Erfahrungen.
Annette Springmeier im Mai 2020

Die Gesundheit von Familientherapeuten im Fokus – das neue Buch unserer Gastdozentin Claude Hélène Mayer

Claude-Hélène Mayer gehört zum Kreis unser geschätzten Gastdozent*innen und hat sich u.a. einen Namen gemacht im Bereich Interkulturelles Management. Die Liste ihrer Publikationen ist stattlich und wird nun um eine weiteres spannendes Fachbuch bereichert:

“What Contributes to Family Therapist Trainees’ Health?” An Investigation into the Context of Professional and Workplace Health and Well-Being

Claude-Hélène Mayer and Rudolf Oosthuizen

Hier können Sie das abstract lesen.

Alice im Wunderland – Notizen von unterwegs. Wolfgang Loth zum „Lösungshype“

Wer Wolfgang Loth kennt, weiß dass er schon sehr lang unterwegs ist im Feld systemischer Therapie und Beratung. Nicht nur seine private Bibliothek ist stattlich, auch sein Wissen ist schier unerschöpflich. Aus diesem Fundus durften wir schöpfen. Gefunden haben wir diesen Artikel aus dem Jahr 2000 – schon alt und hochaktuell.

Den Artikel finden sie hier.

Das SELBST in der Systemischen Arbeit – Selbstberatung – ein Versuch: Klug mit Humor nachgedacht von Alexandra Blickle

Alexandra Blickle, Absolventin der Weiterbildung in Systemischer Therapie und Beratung am Kasseler Institut, hat in ihrer letzten Prozessdokumentation sich selbst beraten, mit Wissen, Klugheit und einer feinen Prise Humor.

Die Dokumentation finden sie hier.

Buchtipp: Freiheit, Verantwortung, Selbsthilfe – Streitschrift für eine liberale Soziale Arbeit

Streitschrift für eine liberale Soziale Arbeit

Das neue Buch von Heiko Kleve wird vom herausgebenden Carl Auer Verlag „als notwendige Provokation“ angekündigt. Prof. Dr. Werner Bruns, Senior Fellow der Rheinischen FH Köln bezeichnet das Buch gar als “grossen Wurf“ und Vorschlag zum Paradigmenwechsel in der sozialen Arbeit.

„Vergesst die Methoden! Auf die systemische Grundhaltung kommt es an!“ – ein Artikel von Heidi Müller

Die Autorin beleuchtet ihr Verhältnis zur systemischen Haltung im Kontext Schule, illustriert an 2 Beispielen von Arbeiten mit Schülern. Hierbei spielen insbesondere Aspekte der Kontextsensibilität, des Spannungsfeldes Beratung und Kontrolle sowie der Ressourcen eine Rolle.

Den Artikel finden sie hier.

Die Hoffnung stirbt zuletzt ODER „Hör nicht immer auf Dein Herz“ – Neutralität in der Paartherapie von Ute Sauerzapf

Ein Beitrag von Ute Sauerzapf, Lehrtherapeutin am KI

In der Vergangenheit habe ich mich in der Arbeit mit Paaren manchmal dabei beobachtet, dass ich dazu tendierte, das Zusammenbleiben von Paaren als unterstützenswerter anzusehen, als die Möglichkeit einer Trennung.

In der Zwischenzeit hat sich das verändert. Nicht dass ich jetzt Trennung forcieren würde, nein – aber verändert hat sich, dass ich heute eine Trennung durchaus auch als „gute Lösung“ ansehen kann, wenn dadurch unbekömmliche und anscheinend nicht veränderbare Muster zwischen Paaren beendet werden können.

Der Anstoß kam unter anderem durch ein Buch mit dem knackigen Titel „Trennt Euch!“ von dem Autor Thomas Meyer. Dieser stellt in seinem kleinen aber feinen Büchlein die Idee vor, dass es jenseits von Liebe sowohl passende als auch nicht passende – kompatible oder inkompatible Beziehungen gibt.

„Jenseits von Liebe“ bedeutet, dass Liebe allein eine Beziehung (leider) nicht passend und kompatibel macht, sondern dafür noch andere „Zutaten“ wichtig sind. Merkmale einer nicht-passenden Beziehung sind aus seiner Sicht und Erfahrung unter anderem:

  • sich gegenseitig immer wieder Rätsel aufzugeben und darüber abendfüllend zu sprechen
  • dabei leider keine wirklich nachhaltige Verständigung zu erlangen
  • sich nicht richtig wohl mit dem Partner oder der Partnerin zu fühlen, sondern stattdessen immer wieder Fluchttendenzen zu verspüren
  • unterm Strich einfach „keinen Frieden“ in der Beziehung zu erleben in dem Sinne, das ein Gefühl von Verständigung, Geborgenheit und damit auch Sicherheit entsteht. Unglücklicherweise ist das „Nicht-passen“ aber kein Grund sich nicht zu lieben! Im Gegenteil – nicht passende Paare können sich durchaus heiß und innig lieben, eine leidenschaftliche und hochbefriedigende Sexualität miteinander teilen und den Wunsch und die Vision einer glücklichen Zukunft miteinander teilen. Wahrscheinlich ist dies auch der Grund dafür, dass diese Paare oft unermüdlich darum kämpfen die Beziehung so zu verändern, dass es endlich besser werden möge. Gerne wird dem Partner / der Partnerin erzählt, was diese(r) doch bitte ändern möge, damit dann endlich alles gut sein kann. Oft fehlt ja auch in der Tat nicht viel, was ein Ringen um diese Veränderung plausibel erscheinen und beide lange durchhalten lässt.

Aber, wenn es nicht passt, dann passt es nicht – und kann, so Meyers These, auch nicht passend gemacht werden. Weiter führt er in seinem Buch die Idee von einem „weisen Kern“, manche nennen ihn auch „innere Weisheit“ oder Intuition ein, der „die Wahrheit“ spricht. Dieser lässt sich nicht beirren und weiß, was gut und richtig ist. Er meldet sich schon meist zu Beginn einer Beziehung und gibt uns Signale, ob „es passt“ oder nicht. Verliebt wie wir jedoch am Anfang einer Beziehung gerne sind, möchten wir auf ihn nicht hören, falls er „Warnsignale“ äußert. Außerdem ist seine Stimme recht leise, die des liebenden und vielleicht auch bedürftigen Herzens, die der Hoffnung und der Geilheit übertönen ihn leicht. Dennoch meldet er sich immer wieder – oft wenn es still ist.

Übrigens, schonen tut uns er uns, trotz seiner eher leisen Stimme nicht, er spricht stets die Wahrheit und manchmal hassen wir ihn dafür. Aber, er ist der beste Freund den wir haben, auch wenn er unbequem sein kann. Die gerne vertretene Sicht „auf das eigene Herz zu hören“ wird von Meyer in Frage gestellt. Er plädiert dafür, der Liebe an der Stelle nicht ALLEIN zu trauen, sondern nach anfänglichem Kennenlernen einen ehrlichen Austausch über Werte, Vorstellungen und Sinngebung einer Beziehung (Entwurf eines „Beziehungsvertrags“), Humor und Wohlfühlkriterien vorzunehmen. Auch zeigt er auf, aus welchen durchaus menschlichen Gründen Paare in inkompatiblen Beziehungen zusammenbleiben. Seine Antwort, die ich in meiner Arbeit ebenfalls wiederfinde lautet, dass es an erster Stelle, die Angst vor dem (Trennungs-)Schmerz ist. Diesen wie er schreibt „dornigen Weg durch das Gestrüpp des Trennungsschmerzes“ mag keiner gerne gehen – und deshalb bleibt man wo man ist und hört viel lieber auf die Hoffnung, die beschwörend spricht, dass „es doch gar nicht mehr so viel braucht, damit alles besser wird“. Und dann gibt es ja möglicherweise noch die Kinder, das Haus, das Geld usw.

Als systemische Therapeutin ist mir durchaus bewusst, dass diese Sicht von kompatiblen und inkompatiblen Beziehungen nur EINE Sicht ist .Dennoch kann sie für Paare hilfreich sein, die an der Wirklichkeitskonstruktion festhalten, die Liebe allein sei ein Zeichen dafür, dass es passt und deshalb ALLES dafür getan werden müsse die Beziehung zu erhalten. Auch könnte für diese Paare die Idee hilfreich und entlastend sein, dass Liebe allein nicht ausreicht um miteinander zu leben und glücklich zu sein. Für all jene Paare jedoch, die sich in passenden und kompatiblen Beziehungen befinden sei gesagt, dass sich für solche jeglicher Aufwand, jede Mühe und jede Investition lohnt, da sie wertvoll, keinesfalls selbstverständlich und laut Meyer, eher selten sind.
Fazit: Das Leben ist zu kurz für inkompatible Beziehungen.

Noch ein paar Sätze zu Thomas Meyer selbst:
Thomas Meyer wurde 1974 in Zürich geboren. Nach einem abgebrochenen Studium der Jurisprudenz ergriff er 1997 den Beruf des Werbetexters und begann gleichzeitig im Internet Kolumnen zu publizieren. Es folgten diverse Beiträge in Schweizer Nachrichten- und Autorenmagazinen. 2017 erschien sein Buch „Trennt euch!“, ein Essay über nichtpassende Beziehungen. Dieser Titel wurde wie vorangegangene andere Bücher von ihm, ein Bestseller und sorgt für viele angeregte Diskussionen über das Thema Liebe und Partnerschaft. Mit seiner These „Vier von fünf Beziehungen passen nicht und müssten sofort beendet werden“ sorgte Thomas Meyer in einem Interview für viel Wirbel. In seinem persönlichsten Buch „Trennt Euch!“ widmet er sich in Form des literarischen Essays diesen inkompatiblen Beziehungen. Scharfsinnig und mit hoher analytischer Gabe seziert Meyer aussichtslose Konstellationen und macht Mut, sich von seinem unpassenden Gegenüber zu trennen. Es gibt viele Büchern rund um Partnerschaft und Beziehung, die zum Kämpfen, Festhalten, Weitermachen in bestehenden Konstellationen raten. Meyers„Trenn Euch!“ macht Mut zu Trennung – WENN eine Beziehung nicht passt – und dann helfen oben genannte Bücher kaum.

Psychotherapie nach Flucht und Vertreibung – Buch-Rezension von Andreas Wahlster

Eine praxisorientierte und interprofessionelle Perspektive auf die Hilfe für Flüchtlinge.

Rezension von Andreas Wahlster (22.11.2018)

Die Herausgeber*innen haben sich einer Thematik angenommen, die im Feld der Psychiatrie und Psychotherapie bisher kaum behandelt wurde. Schon allein das ist verdienstvoll. Die Leser*in wird ein Fleißwerk in den Händen halten, denn „es ist ein Buch, das aus einer interpersonellen Perspektive für Psychotherapeut*innen und andere Helfer*innen in der Versorgung von Geflüchteten entwickelt und geschrieben wurde“ (Auszug aus dem Vorwort).

Sehr viel Recherche wurde geleistet, um hinreichend zu erfassen, welche unterschiedlichen Berufsgruppen in welchen Kontexten bei der Arbeit mit Geflüchteten Beiträge leisten. Insgesamt achtundzwanzig Autor*innen haben mit profunder Expertise Beiträge geleistet, die sowohl ein differenziertes Bild des Istzustandes zusammenstellen als auch Mindestanforderungen für eine humane, sozialpolitisch verantwortliche und fachlich fundierte (psychotherapeutische) Arbeit mit Geflüchteten formulieren.

Das Buch startet mit einem Überblick über Krisenherde und Flucht (Katharina Lumpp, Stefan Telöken), beschreibt die rechtlichen Rahmenbedingungen, z.B. die Genfer Flüchtlingskonvention, und informiert über die begrenzten Zugänge für Geflüchtete zum deutschen Gesundheitssystem. Die Arbeit mit Sprachmittlern ist eine zentrale Schlüsselstelle in der Arbeit mit Geflüchteten, sie wird u.a. im Abschnitt Sprachliche Verständigung und Arbeit mit DolmetscherInnen von Tom Hegemann kenntnisreich und anschaulich dargestellt. Von welcher herausragenden Bedeutung ein kultur- und machtsensibles Vorgehen in der Psychotherapie ist, wird im Abschnitt Interkulturelle Aspekte der Therapiebeziehung von Birsen Kahraman dargestellt, engagiert und mit viel Praxiserfahrung.

Monika Schröder und Ljiljana Joksimovic widmen sich dem Thema Institutionelle Einflüsse auf die psychotherapeutische Arbeit mit geflohenen Menschen. Sie legen nüchtern die vielen Barrieren des Zugangs zu Psychotherapieangeboten dar und formulieren sozusagen Hausaufgaben für Politik und die Institutionen der Gesundheitsversorgung. So erfährt die Leser*in, dass Deutschland geltendes europäisches Recht nicht umsetzt, schutzbedürftige Traumatisierte systematisch zu identifizieren und therapeutisch-medizinische Maßnahmen umzusetzen.

Das Kapitel Psychotherapeutische Unterstützung bei Traumafolgestörungen und psychischer Komorbidität beleuchtet zunächst die Diagnostik und stellt eine Palette von Therapieverfahren vor (Christoph Nikendei, Anja Greinacher, Martin Sack). Anknüpfend widmet sich Jan J. Kizilhan den spezifischen Situationen in der psychotherapeutischen Begegnung. Besonders haben mich hier die Themen der unterschiedlichen Symptomdarstellung und der kultursensiblen Diagnostik und Behandlung angesprochen. Etwas schade, dass in diesem Kapitel systemtherapeutische und traumapädagogische Konzepte für die Zielgruppe Kinder und Jugendliche, z.B. von A. Korritko und R. Jegodtka sowie P. Luitjens keine Erwähnung fanden.

Die Qualität dieses Buches zeigt sich weiter im Kapitel Lebensabschnitte. Die AutorInnen Esther Kleefeld, Anika Dienermann (Unbegleitete Kinder und Jugendliche) Maria Borsca (Familien) und Ahmand Bransi (Ältere Menschen) beleuchten die Dimension des altersspezifischen Zugangs zu geflüchteten Menschen.

Wie bedeutsam und gleichzeitig herausfordernd Vernetzung und Zusammenarbeit gerade in der Arbeit mit geflüchteten Menschen ist, stellt Maria Würfel aus der Perspektive der Sozialarbeit dar. Der Abschnitt Begutachtung psychisch reaktiver Traumafolgen in aufenthaltsrechtlichen Verfahren von Ferdinand Haenel erhellt die Besonderheiten bei der Exploration und formuliert dazu Anforderungen an das spezifische Fachwissen von GutachterInnen.

Es rundet den positiven Gesamteindruck dieses Buches ab, dass sich ein Kapitel den Belastungen und Selbstfürsorge der HelferInnen widmet (Judith Daniels, Antje Manthey, Christoph Nikendei, Benjamin Bulgay, Maria Borsca). Hier kommt zur Sprache, wie man der Gefahr einer sekundären Traumatisierung begegnet und wie notwendig Selbstfürsorge und Supervision sind.

Das letzte Kapitel beinhaltet einen Praxisleitfaden und Therapieführer, u.a. mit Adressen von Behandlungsangeboten und Beratungs- und Behandlungszentren.

Dieses Buch ist mit Fachwissen und großer Sorgfalt geschrieben und daher besonders empfehlenswert. Dazu tragen die Fülle von Quellenangaben und Verweisliteratur bei. Die vielfältige therapeutische Praxis wird jeweils mit Fallvignetten veranschaulicht. Das Buch zu lesen ist ein Gewinn, doch macht die Lektüre naturgemäß keine Freude. Es ist schwere Kost. Wenn dieses Buch nicht nur von den psychosozialen Fachmenschen in den verschiedenen Professionen, sondern auch von Politiker*innen gelesen wird, hat es seinen Zweck mehr als erfüllt, denn:

„Der erschwerte Zugang zur Psychotherapie für Geflüchtete ist vor dem Hintergrund ihrer vielfältigen traumatischen Erfahrungen und fortdauernden belastenden Lebensumständen kaum nachzuvollziehen, er ist dennoch eine gesellschaftspolitische Realität…..“

Zehn Thesen zur Systemtheorie der Emotionen – von Luc Ciompi, dem Pionier der Sozialpsychiatrie

Von Luc Ciompi (12.09.2018)

Luc Ciompi, Schweizer Psychiater, war von 1977 bis 1994 Professor für Psychiatrie an der Universität Bern und ärztlicher Direktor der Sozialpsychiatrischen Universitätsklinik Bern und hat in dieser Zeit das Modell der SOTERIA (Interview mit Luc Ciompi: https://www.youtube.com/watch?v=GNLHTY9CeHw ) entwickelt, ein spezifisches therapeutisches Konzept zur Behandlung von schizophrenen Störungen. Im Zuge seines langjährigen wissenschaftlichen und alltagspsychiatrischen Wirkens hat er u.a. die sog. Affektlogik als Modell der Struktur der Psyche entwickelt. Ciompi hat dazu acht Grundthesen aufgestellt: (Auszug aus seiner homepage http://www.ciompi.com/de/affektlogik.html ):

  1. Emotion und Kognition wirken in sämtlichen psychischen Leistungen regelhaft zusammen
  2. Filter- und Schaltwirkungen von Emotionen beeinflussen ständig alle kognitiven Leistungen
  3. Gleichzeitig erlebte Emotionen, Kognitionen und Verhaltensweisen verbinden sich im Gedächtnis zu integrierten, situationsabhängigen Fühl-Denk-Verhaltensprorammen (FDV-Programmen), die alles künftige Verhalten in ähnlichen Situationen beeinflussen
  4. FDV-Programme verschiedenster Grössenordnung sind die grundlegenden „Bausteine der Psyche“. Sie entsprechen typischen Systemen im systemtheoretischen Sinn, deren Gleichgewicht ständig durch positive oder negative Feedbacks aus der Umgebung stabilisiert oder gestört wird
  5. Das Gesamt von erfahrungsbasierten FDV-Programmen konstituiert individuumspezifische, familienspezifische, gruppenspezifische und kulturspezifische Fühl-Denk- und Verhaltensweisen bzw. Mentalitäten, Weltbilder, affektiv-kognitive Eigenwelten.
  6. Emotionen sind evolutionär entstandene, vital wichtige psychosomatische Zustände mit gerichteten bioenergetischen Komponenten (hin zu, weg von). t. Emotionale Energien sind die entscheidenden Motoren allen Denkens und Verhaltens. Fühl-Denk- Verhaltenssysteme beliebiger Grössenordnung werden durch Kognitionen strukturiert und durch Emotionen dynamisiert
  7. Kritisch steigende emotionsenergetische Spannungen können zu plötzlichen umfassenden Veränderungen (nichtlinearen Bifurkationen) der vorherrschenden Fühl- Denk- und Verhaltensmuster führen
  8. Affektiv-kognitive Wechselwirkungen sind selbstähnlich („fraktal strukturiert“) auf beliebigen individuellen und kollektiven Ebene

In einem Artikel für das systemagazin hat er nun seine bislang noch unveröffentlichten zehn Thesen zur Systemtheorie der Emotionen aufgestellt, die wir Ihnen und Euch hier gerne zum Lesen zur Verfügung stellen: http://systemagazin.com/zehn-thesen-zur-systemtheorie-der-emotionen/ . Sehr lesenswert.

Wie man Weiterbildung zum guten Ende bringt – Ein Lied zum Abschluss für Ingrid Voßler

von Ingrid Voßler (14.02.2018 )

Neulich am Ende der dreijährigen Weiterbildung in systemischer Therapie und Beratung stellte ich im letzten Seminar zum Thema „Wie man Beratungen und Therapien gut zu Ende bringt“ bewährte zirkuläre Fragen vor. Beispielsweise „Woran würden Sie merken, dass diese Beratung ihrem Ende entgegen geht?“ bzw. „Woran würde Ihr Mann merken, dass diese Beratung so gut wie beendet ist?“. Oder beispielsweise eine  rückfallprophylaktische Frage „Wenn Sie in der Zukunft den Eindruck haben sollten, es wäre gut, den Platz zwischen Ihren Eltern wieder einzunehmen, wie könnten Sie das machen?“

Neben den zirkulären Fragen arbeite ich auch sehr gerne mit Fragen, die zur Benennung von Wesentlichem einladen. Beispielsweise „Nennen Sie mir drei Dinge, die Sie gerne hier lassen möchten, wenn Sie gleich gehen“ oder „Was wollen Sie nicht mehr?“ Und ich habe eine persönliche Lieblingsfrage an meine KlientInnen oder Paare beim Abschluss des therapeutischen Prozesses und diese lautet: „Und wie werden Sie das jetzt feiern?“

Die KlientInnen reagieren darauf deutlich emotional. Sie sind überrascht, zeigen Freude, Rührung, positive Aufregung und realisieren in aller Regel in diesem Moment, dass ihnen etwas Bedeutsames gelungen ist, dass sie etwas für sie Wichtiges gemeistert haben. Eine Atmosphäre von Selbst – Bedeutsamkeit entsteht und viele Menschen bekommen tatsächlich Lust, dieses Ende einer Übergangsphase ihres Lebens angemessen zu feiern.

Bei der Planung von Abschluss-Seminaren einer Weiterbildung steht für mich – neben dem fachlich-inhaltlichen Part – genau diese Frage „Und wie werden wir diesen Abschluss jetzt feiern“ im Mittelpunkt. Im Vorfeld des Abschluss-Seminars ist deutlich, dass einige TeilnehmerInnen die emotionale Achterbahn, die möglicherweise mit den Themen „Abschluss und Abschied“ verbunden ist, lieber vermeiden würden. Andere kommen aus ritualarmen Familiensystemen oder haben sich aus guten Gründen für ein möglichst ritualfreies Leben entschieden. Hier nutze ich dann liebend gerne noch einmal die Chance im Weiterbildungsprozess einen Unterschied anzubieten.

Nun zurück zum Abschluss-Seminar der vergangenen Woche:

Dieses Mal hat die Gruppe mich total überrascht und sehr bewegt. Nach einem von mir geleitetem Abschluss-Ritual der Würdigung mit Zertifikatsübergabe, Blumen und Sekt gab es ein sehr leckeres Essen in Gruppenraum des Instituts.

Dann kam ein mich komplett überraschendes High-Light: Eine musikalische Darbietung der gesamten Gruppe, ein Lied zum Abschluss.

Damit brauchte die explizit noch gar nicht gestellte Frage „Und wie werden wir diesen Meilenstein jetzt feiern?“ nicht mehr strapaziert werden, wir hatten bereits in die Antwort hineingelebt, hineingefeiert.

Schön war’s. Mein ganz herzlicher Dank geht an die alle nun ehemaligen TeilnehmerInnen der Gruppe XXI.

Hier geht es zum Video.

Der Lied-Text der Gruppe ist hier zu lesen:

Einundzwanzig kleine Wölfe legten los vor drei Jahren Therapie, und zwar systemisch, wollten sie gern erfahren. Woran erkennt man bitteschön denn ein Problem? Man kann das alles schließlich auch ganz anders sehen! Perspektive wechseln, schnell! (Pfeifen) Wann wird´s in meinem Kopf denn nun mal endlich hell?

Einundzwanzig kleine Wölfe woll´n Systemiker werden, auf diesem Weg gibt es so manche Beschwerden. „Die Bücher müsst ihr alle gelesen haben!“ Nur so kommt ihr in den Genuss der Geistesgaben. Doch das Lesen ist so schwer! (Pfeifen) Wenn ich jetzt mit den Büchern nur schon fertig wär.

Drei Jahre trafen wir uns im Kasseler Institut, zum Lernen, Üben, Fragen stell´n, wir machten uns Mut. Oje, mein Kopf ist, glaube ich, schon wieder voll, wer macht denn heute bitte mal das Fotoprotokoll? Wenn nur schon Pause wär (Pfeifen) Spätestens um elf freut uns das Frühstück sehr.

Einundzwanzig kleine Wölfe wollten sich selbst erfahren, ne ganze Woche sind sie gemeinsam weggefahren. Zu zweit, in kleinen Gruppen oder in der Triade, Beschäftigte uns so manche große Frage Wenn´s mir nur schon heller wär (Pfeifen) Woran könnt ich merken, dass ich so klar wie Ingrid wär?

-Getextet und gesungen vom Abschlusskurs XXI-

Bei schweren Krankheiten nach Wundern fragen? – Dagmar Mihr klärt ein Missverständnis

von Dagmar Mihr (26.10.2017)

„Das geht doch nicht. Man kann doch keiner Todkranken mit der Wunderfrage kommen!“ Auffallend häufig werde ich gefragt, ob und wie man denn die Wunderfrage in der systemischen Therapie mit Schwer- oder gar Todkranken einsetzen kann. Eine Kollegin meinte, dass es doch regelrecht unmoralisch sei, sie in diesem Kontext zu nutzen. Das macht schnell deutlich, dass es da ein grundlegendes Missverständnis gibt. Die Wunderfrage in der systemischen Arbeit mit Schwer- oder gar Todkranken bezieht sich nicht auf das Wunder „Wie wird mein Leben ohne Krankheit sein“, was verstehbarer Weise eine häufige Sehnsucht der Erkrankten ist oder wäre, wenn man danach fragte. Die Wunderfrage kann und darf sich nur auf das Leben mit der Krankheit und ihren Auswirkungen beziehen. Ein Beispiel: Thema des Therapiesitzung ist die Sehnsucht einer Klientin trotz Krankheit mehr Sozialkontakte zu haben. Sie möchte ihren Freundinnen häufiger ihre Bedürftigkeit nach Kontakt zeigen. Das ist gewissermaßen ein Wagnis, such bedürftig zeigen und nicht in der Hand haben, wie die Freundinnen reagieren. Dann könnte sich die Wunderfrage genau darauf beziehen. Etwa so:„Angenommen heute Nacht geschieht ein Wunder. Sie stehen morgen in der Früh auf, wissen selbst noch nicht, dass das Wunder geschehen ist? Woran fällt es ihnen auf, dass sie ihre Bedürftigkeit zeigen können? An was merken sie zuerst, dass sich das Wunder vollzogen hat? Wie verhalten sie sich jetzt, wo das Wunder geschehen ist?“ Und eine mögliche Antwort der Klientin könnte sein: „Obwohl ich weine, nehme ich den Telefonhörer in die Hand, rufe meine Freundin an und bitte sie mit mir zu frühstücken. Ich mute mich ihr heulend zu und sage, dass ich nicht allein sein mag. Und – ich schäme mich nicht dafür.“Eine schwere Erkrankung ist da, sie lässt sich nicht externalisieren und verschwindet in der Regel nicht dadurch, dass wir uns anders verhalten. Das gilt es zu akzeptierten – auch von uns TherapeutInnen.

Einwirkungen und Auswirkungen – Interview mit Claudia Kockrow, Absolventin unserer Weiterbildung Systemische (Familien-)Therapie und Beratung

06.12.2017

Andreas Wahlster (AW):

Ich freue mich, dass wir Gelegenheit haben, über deine Erfahrungen in der Weiterbildung zur systemischen Therapeutin zu sprechen. Für uns ist selten Gelegenheit, von Euch als den sog. Ehemaligen zu erfahren, welche Erfahrungen ihr während und nach der Weiterbildung gemacht habt.

Welches Erlebnis oder welche Begebenheit illustriert am besten deine Entwicklung in und nach der Weiterbildung?

Claudia Kockrow (CK)

Ich war extrem beeindruckt von der Weiterbildung. Ich war bereits viele Jahre zuvor mit dem systemischen Ansatz in Berührung gekommen, und die systemische Haltung war für mich in meinem Leben und Denken seither sehr zentral. Daher wollte ich unbedingt diese Ausbildung machen. Dabei dachte ich, ich lerne „Handwerkszeug“, wie man damit arbeitet. Dass ich dabei auf ganz wesentliche persönliche Themen stoße und sie so bearbeite, dass sich meine Lebensqualität, die ich eigentlich für ziemlich gut gehalten habe, deutlich hin zu einem ganz neuen Level entwickelt, hätte ich niemals erwartet.

AW:

Das bringt mich zu einer nächsten Frage: Auf welche Weise hat sich die Weiterbildung auf dein Leben ausgewirkt?

CK:

Ich bin wesentlich selbstsicherer geworden. Beruflich konnte ich vieles Neues entdecken und habe gelernt, dass Psychotherapie nicht „schwer“ sein muss, weder für den Patienten, noch für den Therapeuten. Heute gehe ich in den meisten Fällen mit mehr Energie aus meinen therapeutischen Sitzungen hinaus als ich hinein gegangen bin. Und das ist kein Film, der sich nur in meinem Kopf abspielt – die Patienten melden mir sehr Positives zurück.

Aber auch auf mein Familienleben hatte die Weiterbildung große Wirkung. Ich war bei vielen Themen sehr „verkrampft“, habe mir selbst starken Druck aufgebaut: Über viele Jahre war ich in verschiedenen Bereichen ehrenamtlich tätig. Bei sozialen Problemen dachte ich sofort: „Da musst Du doch was tun“, und es war wie ein Zwang, mich einzusetzen, was ich oft auch körperlich sehr unangenehm gespürt habe. Heute denke ich das auch noch, aber mit einer entspannteren Haltung. Das ist nicht nur für mich, sondern auch für meine Familie sehr angenehm. Ich bin innerlich wesentlich ruhiger geworden. Und das genieße ich, es ist ein wunderbares Gefühl.

AW:

Was hat dich in der Weiterbildung überrascht?

CK:

Ich habe es schon angeschnitten, ich habe ehrlich eine ganz andere Lebensqualität. Die erste Selbsterfahrungswoche war für mich ein Schlüsselerlebnis. Ich habe dort viele Entdeckungen gemacht, mit denen ich nicht gerechnet hätte. Nachdem ich ohne Erwartungen angereist war, hatte ich bei manchen Aufgabenstellungen am Anfang der Woche große Befürchtungen. Wie Ingrid (Ingrid Voßler) und Du damit umgegangen seid, das hat mich sehr berührt und beruhigt. Das durfte alles sein und ich bekam wieder Boden unter die Füße. Und dass Festes – was man gar nicht als Problem erkannt hat – sich löst, wie sich das anfühlt und welche Folgen das haben kann, war eine unglaubliche und sehr wertvolle Erfahrung!

AW:

Was glaubst du, woran konnten deine Klient*innen deinen Veränderungsprozess erkennen?

CK:

Ich probiere mehr aus, bin sicherer geworden bei dem, was ich tue, habe eine viel größere therapeutische Vielfalt, mit der ich mich auf den einzelnen Patienten einstellen kann. Und meine Kreativität hat sich entwickelt. Heute arbeite ich gerne mit Visualisierungs- und Körperübungen, eben allem, was mit Imagination zu tun hat, besonders auch mit Metaphern – dazu hatten wir ein wunderbares Seminar!

AW:

Was hat Dir in der Weiterbildung nicht so gefallen oder Dich gar gestört?

CK:

Der Wechsel der Lehrtherapeuten zum zweiten Jahr hin war für die Gruppe nicht einfach. Die Übergänge beim Wechsel der Lehrenden in den Weiterbildungsabschnitten achtsam zu gestalten ist ganz wichtig. Für uns Weiterbildungsteilnehmer*innen waren manche Übergänge ein kleiner ‚Kulturschock‘, mit zum Teil erheblichen Auswirkungen auf die Gruppendynamik. Das war in der akuten Phase sehr belastend. Im Nachhinein aber auch eine Erfahrung zu sehen, wie wesentlich die Beziehungsgestaltung von Lehrtherapeut zu den Lernenden ist, und welche Faktoren zu ‚Störwellen‘ führen können. Beeindruckend war, wie Du das mit uns als Gruppe aufgearbeitet hast, sodass wir wieder in einen konstruktiven Arbeitsprozess kommen konnten. Das lässt sich ja auch auf eigene therapeutische Prozesse oder andere berufliche Projekte übertragen und ist, letzten Endes, auch wieder eine sehr wertvolle Erfahrung.

AW:

Ich danke Dir für deine Rückmeldung und schließe an mit der Frage, was sollte als Weiterbildungsinhalt evtl. noch hinzukommen oder ersetzt werden?

CK:

Ich würde es sehr begrüßen, wenn wir nach der Weiterbildung Gelegenheit zur Supervision bekämen. Der besondere Gewinn wäre dabei, dass sich die Lehrenden und wir bereits kennen und somit in einer vertrauten Atmosphäre arbeiten könnten. Es macht Sinn, dazu auch ehemalige Absolvent*innen direkt anzusprechen.

AW:

Was denkst Du, worüber sollten wir noch sprechen, was bisher noch nicht zur Sprache kam?

CK:

Hab ich einen Wunsch frei? Dann würde ich mir wünschen, dass Ihr noch das ein oder andere ‚Aufbaumodul‘ in Form eines die 3-jährige Ausbildung erweiternden Curriculums entwickelt – viele in der Gruppe hätten gerne weitergemacht mit der Weiterbildung. Es gab noch so viele spannende Themen, und die Qualität Eurer Seminare und die der von Euch eingeladenen Referenten war wirklich sehr gut. Ich habe da einigen Vergleich! Vielleicht auch im Blick auf die potentielle sozialrechtliche Anerkennung. Denn andere werden ein erweitertes Curriculum anbieten, egal wie man zur Kompatibilität von Systemischer Therapie und Abrechnung mit den Krankenkassen steht. Und dann fände ich ganz wichtig, dass klar vermittelt wird, dass das Systemische Denken eine Haltung ist, die man nicht wie einen Kittel vor seiner Sprechstundentür an- und beim Verlassen wieder auszieht. Die Gefahr, dass das untergeht, sehe ich leider, denn mein Eindruck ist: Nicht überall, wo „systemisch“ draufsteht, ist auch „systemisch“ drin. Und diese Haltung habt Ihr uns sehr eindrücklich vermittelt. Ein sehr großer Gewinn!

AW:

Liebe Claudia, herzlichen Dank für unser Gespräch.

Wir sind anerkanntes Mitgliedsinstitut der Systemischen Gesellschaft (SG) und somit den hohen Qualitätsstandards sowie Ethikrichtlinien der SG verpflichtet und nach den Weiterbildungsrichtlinien der Deutschen Gesellschaft für Systemaufstellungen (DGfS) anerkannt.