Weiterbildung Systemische Paartherapie und Paarberatung
Leitung: Ingrid Voßler
Paartherapie gehört heute zu den anspruchsvollsten und zugleich lebendigsten Arbeitsfeldern systemischer Praxis. Therapeut*innen und Berater*innen erleben Paare als hochdynamische Systeme, in denen Liebe, Konflikt, Bindung, Autonomie, Sexualität und gesellschaftliche Erwartungen gleichzeitig wirksam sind und häufig hohe emotionale Intensität sowie widersprüchliche Erwartungen erzeugen.
Beratung und Therapie von Paaren ist daher weit mehr als eine Settingfrage. Es handelt sich um ein eigenständiges und komplexes Praxisfeld mit spezifischen Herausforderungen an Paarberater*innen und Paartherapeut*innen.
Ziele der Weiterbildung
Das Einnehmen der systemischen Perspektive, die Fähigkeit zur Kommunikation von Unterschieden, die Ausbalancierung von vielfältigen Einladungen des Paares und eine hohe Kompetenz zur Prozesssteuerung zeichnen das Profil erfolgreicher Paartherapeut*innen und Paarberater*innen aus. Ziel der Weiterbildung ist es, den Teilnehmenden ein fundiertes systemisches Denken und professionelles Handeln für die Arbeit mit Paaren zu vermitteln. Praxistaugliche Konzepte, Methodenwissen und nicht zuletzt eine herzliche Atmosphäre sind die rahmenden Eckpfeiler dieser Weiterbildung.
Weiterbildungsinhalte
Die Weiterbildung verbindet systemtheoretische Fundierung mit erfahrungs-orientiertem Lernen und konsequenter Praxisorientierung. In allen Seminaren erfolgt grundsätzlich ein lebendiger Wechsel zwischen theoretischen Impulsen, praktischen Übungen, Supervision eigener Fälle sowie Selbsterfahrungsanteilen in Bezug auf die eigene Paar- und Beziehungserfahrung.
Systemtheoretische und konstruktivistische Ansätze sowie systemtherapeutisches Wissen bilden das Fundament dieser Weiterbildung. Das zugrunde liegende paartherapeutische Konzept berücksichtigt gleichermaßen den aktuellen Beziehungskontext eines Paares, seine biografischen Prägungen sowie mögliche Zukunftsentwürfe.
Die Weiterbildungsinhalte unterstützen die Teilnehmenden dabei,
- die besonderen Dynamiken der therapeutischen Triade zu verstehen und professionell zu gestalten
- die eigene Rolle als Paartherapeut*in bzw. Paarberater*in zu klären
- eine Haltung von Respekt, Neugier und Wertschätzung gegenüber den bisherigen Lösungsversuchen der Paare zu entwickeln
- tragfähigen Kontakt und arbeitsfähige Begegnungen mit Paaren zu gestalten
- ein differenziertes Repertoire systemischer Interventionen und kreativer Methoden aufzubauen
Neben dem systemischen Bezugsrahmen fließen Impulse aus körperorientierten Ansätzen, aus der Achtsamkeitspraxis (Sensory Awareness) sowie aus erfahrungsbasierten Elementen des nichtchoreografierten Paartanzes (Tango Argentino) ein.
Diese Zugänge eröffnen zusätzliche Perspektiven auf Beziehung, Resonanz, Kontakt und Differenz.
Lernen entsteht dabei nicht nur über Wissen, sondern über Erfahrung, Resonanz und kollegialen Austausch. Die Weiterbildung findet in einer wertschätzenden und lebendigen Atmosphäre statt, die die fachliche und persönliche Entwicklung gleichermaßen fördert.
Inhaltliche Schwerpunkte:
- Wozu Paartherapie? Anliegen, Erwartungen und Suchbewegungen von Paaren
- Paare als soziale, Sinn- und Kommunikationssysteme
- Liebesbeziehung und Partner*innenschaft im Spannungsfeld von Bindung und Autonomie
- Dynamiken von Geben und Nehmen, implizite Beziehungskonten und Austauschlogiken
- Kybernetik zweiter Ordnung und die therapeutische Triade
- Beziehungsdynamiken und Entwicklung
- Intimität und Differenzierung in Paarbeziehungen
- Sehnsuchtsdilemmata zwischen Nähe und Eigenständigkeit
- Bindung, Resonanz und emotionale Regulation
- Konfliktorganisation und wiederkehrende Konfliktmuster
- Mehrgenerationenperspektive und Genogrammarbeit
- Lebenszyklische Übergänge und „natürliche Krisen“ von Paaren
- Sexualität, Außenbeziehungen und Krisen
- Sexualität und Begehren in langfristigen Beziehungen
- Lust, Lustlosigkeit und sexuelle Kommunikationsprozesse
- Außenbeziehungen und das „Dritte“ in Paarbeziehungen
- Macht, Ohnmacht und Gewaltkonstellationen
- Paare in Trennungsambivalenzen und Trennungsprozessen
Methodische Schwerpunkte:
Die Weiterbildung vermittelt ein breites methodisches Spektrum für die systemische Arbeit mit Paaren:
- systemische Frageformen, Unterscheidungs- und Metakommunikation
- narrative Therapie mit Paaren
- Externalisierungsgespräche
- erlebnisaktivierende und körperorientierte Methoden
- Arbeit mit Ritualen, Experimenten und Empfehlungen für Paare
- Rollenspiele und Beratungsübungen unter Supervision
- Positionierung als Paartherapeut*in – „zwischen den Stühlen“ arbeitsfähig bleiben
- Kompetenz im Umgang mit Einladungen zur Funktionsübernahme
- kontinuierliche Selbstreflexion und Selbsterfahrung
- Entwicklung und Stärkung der eigenen Berater*innenpersönlichkeit durch Arbeit an Wahrnehmung, Kontaktfähigkeit und Ausdruck
An wen richtet sich die Weiterbildung?
Angesprochen sind systemisch arbeitende Therapeut*innen und Berater*innen sowie Fachkräfte aus psychosozialen und medizinischen Arbeitsfeldern, die ihre beraterische und therapeutische Kompetenz in der Arbeit mit Paaren erweitern möchten.
Weiterbildungsleitung
Ingrid Voßler hat die Weiterbildung konzipiert und leitet sie. Als von der Systemischen Gesellschaft anerkannte Lehrende für Paartherapie verbindet sie langjährige Erfahrung in der Arbeit mit Paaren mit fundierter systemischer Lehre.
